Evidenzbasierte versus Eminenzbasierte Gesundheitspolitik

Hintergrund

Die moderne Definition der Gesundheitsversorgung umfasst alle Dienstleistungen, Aktivitäten oder Beratungen, seien sie gesundheitserhaltender, präventiver, diagnostischer, therapeutischer, rehabilitativer, pflegender oder palliativer Natur. Wesentlich ist nur, dass sie sich mit Krankheiten oder Symptomen, die ein Individuum aufweist, beschäftigen, unabhängig ob sie körperlich, seelisch oder verhaltensmäßig sind, einzelne Zellen oder Gene, Strukturen oder Funktionen des Körpers oder eines Teils des Körpers betreffen. Gesundheitsversorgung ist also geprägt von einer Unmenge an Einzelmaßnahmen (als Beispiel sei nur angemerkt, dass es alleine in Österreich ca. 120 bis 150 Millionen Arzt-Patienten-Kontakte gibt), die in Summe das Ziel haben sollten, die Gesundheit des einzelnen und der Bevölkerung insgesamt zu verbessern oder zu erhalten.

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Die E-Medikation als machtpolitischer Prüfstein

Die E-Medikation hat wieder einmal zu einer recht heftigen medialen Reaktion geführt.

Alle Medien haben berichtet, teils sachlich, teils auch meinungsbildend. Für die Öffentlichkeit weitgehend unsichtbar, gab es eine regelrechte OTS-Schlacht (OTS = Originaltextservice; bezahlte Kurznachrichten in der Austria-Presseagentur).

Aufhänger war die „Evaluierung“ des neun Monate dauernden E-Medikation-Pilotprojekts durch wissenschaftliche Experten.

Die Fronten der Medienschlacht, wie bei jedem anderen gesundheitspolitischen Thema, waren die gleichen! Für die Einführung der E-Medikation waren alle, außer der Ärztekammer! Soweit, so normal!

In den Medien, vor allem jenen, die gerne auch Meinung machen wollen, wurde vor allem die Dringlichkeit der Einführung betont (mit dem Leichentuch gefuchtelt); vermutlich, weil der E-Medikationschef V. Schörghofer schätzt, dass man hochgerechnet auf bis zu 100.000 gesundheitsgefährdende Medikamentenwechselwirkungen komme, die durch die Einführung der E-Medikation verhindert werden können, und der Apothekerkammerchef H. Burggasser nachsetzt, in dem er meint, es sei  „einfach lebensgefährlich, wenn man damit wartet“.

Kaum jemand hat sich bei solchen Aussagen angeschaut, was denn bei dieser Studie  wirklich untersucht wurde.

Im Evaluierungszeitraum, teilt man uns mit, haben 5.431 Patienten, sowie 41 Hausärzte, 31 Fachärzte, 50 Apotheken, und 4 Krankenanstalten aktiv teilgenommen. Was aber nicht gesagt wird, dass im gleichen Zeitraum Österreichweit  mindestens 4,5 Millionen Patienten, von 3.500 Hausärzten, 4.000 Fachärzten, 1.000 Apotheken und ca. 170 Akutkrankenanstalten versorgt wurden!

Also eigentlich ist so eine kleine Studie kaum geeignet um generelle Aussage, oder gar Hochrechnungen zu machen (Anm.: den Studienautoren sind die Limitierungen der Studie sehr wohl bekannt, was aber die „Politiker“ nicht stört, darin klare Evidenzen zu sehen und laut hinauszuposaunen).

Aber, wahrscheinlich geht es, wie üblich, nicht um Sach-, sondern Machtpolitik.

Neben den klingenden Zahlen, sind es vor allem die Meinungsumfragen mehrerer Unternehmen, die zeigen, dass die Bevölkerung die E-Medikation will. Und dass wiederum bedeutet, dass die Ärztekammer zunehmend an glaubhaftem Einfluss verliert.

Bisher galt, dass keiner sich mit ihr anlegen darf, weil über die Kassenärzte sechs Millionen Österreicher bis zu 110 Millionen Mal (so viele E-Card-Kontakte gibt es jährlich!) beeinflusst werden können. Keine auch noch so gut konzipierte Medienkampagne hat eine solche Reichweite– meinte man.

Und was passiert hier?

Immerhin hat sich die Ärztekammer auf die Fahnen geschrieben, E-Medikation und ELGA zu verhindern. Sie tut auch alles, um die Stimmung aufzuheizen – doch, es wirkt offenbar nicht mehr. Die Patienten wollen trotzdem die E-Medikation. Sie hören einfach nicht mehr auf ihre Ärzte (oder, glaubt man der GfK-Umfrage, die Ärzte auf ihre Kammer?).

Und genau hier haken jene Politiker ein, die ein Interesse daran haben, die Ärztekammer zu entmachten und prüfen mit solchen Themen, deren reale Macht.

Selber Schuld, würde ich meinen. Denn so ist das halt, wenn jedes sachliche Thema zur Ideologiefrage stilisiert wird. Da darf man sich dann nicht wundern, wenn eben der politische Machtkampf zu einer Win-Lose-Situation führt und man selbst zum Loser wird.

Abo-Literaturservice: E-Medikation Evaluierungsbericht Pilotprojekt

Hier finden Sie den Evaluierungsbericht des E-Medikations-Pilotprojektes, der eine ganz andere Sprache spricht, als das, was uns Politiker berichten. Den Autoren ist bewußt, dass die Limitierungen dieser Evaluierung eigentlich so groß sind, dass generalisierte Aussagen nicht möglich sind – aber, es war wohl politischer Wunsch, einen Jubelbericht zu erhalten. Aktuell liegen mir nur die Kurzfassung und das Management-Summary vor, sollte ich den ganzen Bericht erhalten, wird er hier zu finden sein

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Abo-Literaturservice: E-Medikation Meinungsumfragen

Aktuell sind mir 7 Meinungsumfragen zum oder rund um das Thema E-Medikation (nicht gleich ELGA) bekannt, die älteste aus 2009, die jüngste  (und vermutlich spannendste, da Sie die Meinung der Ärzte abfragt!) 2012.

Drei Umfragen stammen von der GfK (www.gfk.at/), vier von OEKONSULT (www.oekonsult.at/)

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Abo-Literaturservice: Euro Health Consumer Index 2007

DER NEUE EHCI 2012 WIRD DEMNÄCHST ANALYSIERT – DIE ERGEBNISSE HIER VERÖFFENTLICHT

Der 2008 und folgend ständig zitierte Euro Health Consumer Index© (EHCI©) 2007 kommt zum Ergebnis, dass das Österreichische Gesundheitssystem das beste Europas ist. Insbesondere seitens der Ärztekammer wird angesichts der Studie gemahnt, dass eine Reform – und sei es auch nur ein Reförmchen – eine Bedrohung für diesen Status ist.

Werden die Daten allerdings genauer analysiert, ist Österreichs Gesundheitssystem nur deswegen so leicht als „das beste der Welt“ zu bezeichnen, da das Gegenteil aufgrund der Intransparenz und Unehrlichkeit nur schwer zu beweisen ist. Und paradoxerweise könnte diese „Studie“ genau das.

In einer Analyse und Neubewertung werden die Ergebnisse des EHCI©2007 auf den Kopf gestellt!

Enthalten sind: Alle Studienteile des EHCI©2007 und eine Neubewertung (Publiziert 2008, 8Seiten) Weiterlesen „Abo-Literaturservice: Euro Health Consumer Index 2007“

HPV, HTA und die Politik

Die Aufregungen rund um die mögliche Einführung der HPV-Impfung als Teil des öffentlichen Impfprogramms sind ja kaum mehr erinnerlich. Wer weiß denn noch, wie beispielsweise der Machtkampf zwischen Landesfürst Erwin Pröll von Niederösterreich, und der damaligen Staatsdienerin Andrea Kdolsky ablief?

Wie dem auch sei, Ministerin Kdolsky machte damals für hiesige Politik ungeheuerliches; sie wollte die Entscheidung pro oder contra Aufnahme in den Impfplan wissenschaftlich fundiert treffen und beauftragte einen HTA –Bericht.

Man kann jetzt geteilter Meinung zu dem Bericht sein, denn zugegeben, er gehörte selbst zur damaligen Zeit zu den besonders kritischen. Aber, die gestellte Forschungsfrage wurde tadellos beantwortet und die politische Entscheidung gegen die öffentliche Finanzierung war mit der damaligen Evidenz (2007) richtig.

Doch, gilt das alles auch noch 2012?

Naja, irgendwer müsste halt die neuen Evidenzen zusammentragen, würde man glauben. Irgendwer sollte schauen, ob die kritischen Punkte im Bericht heute zu anderen Ergebnissen führten, möchte man meinen. Immerhin gibt es seit 2009 ja sogar eine „nationale HTA-Strategie “!

Aber, HTA-Strategie heißt das bei uns wohl dann, wenn man Wissenschaft als Machtkampfmittel betrachtet, nicht als Entscheidungshilfe für gesundheitspolitische Fragen.

Gäbe es ernsthaft die „Strategie“, Vernunft statt Macht in solchen Fragen walten zu lassen, dann müsste bei der heutigen Evidenz die damalige Entscheidung doch längst reevaluiert werden.

Ob das allerdings jemals passiert, ist fraglich, denn, das Impfbudget ist gedeckelt. Wenn durch eine Impfung beispielsweise Behandlungskosten gespart werden können –im Spital oder niedergelassenen Bereich – heißt das nicht, dass der Bund, der für die Impfungen aufkommen muss, den Kassen oder Ländern Geld wegnehmen darf, um diese zu finanzieren. Nein, neue Impfungen führen bei uns zwangsläufig zu additiven Budgets!

Und vielleicht ist der Minister deswegen gar nicht daran interessiert mehr Evidenz zu kriegen – denn was hilft es schon, wenn man weiß war richtig wäre, aber es nicht durchsetzen kann, weil das Geld fehlt!

Arbeit macht krank! (oder machen Politiker krank?)

Politiker sind Junkies geworden! Sie dürfen Probleme nicht mehr lösen, weil sie von ihnen leben. Der Machtwille hat den Gestaltungswillen besiegt!

Werte P.T. Leser! Erlauben Sie mir ein bisschen abzuschweifen.

Vor wenigen Wochen, wurde in der politischen Elite heftig gestritten (Video), ob Frauen wirklich 25 Prozent weniger verdienen. Schließlich gibt es Evidenz, dass der Unterschied deutlich kleiner ist, wenn man wirklich Äpfel mit Äpfeln vergleicht, also in den Einkommensstatiken jene Faktoren herausrechnet, die nichts mit den Geschlecht zu tun haben.

Statt sich darüber zu freuen, beharrt aber das Frauenministeriumsamt politisch korrektem Gefolge darauf, dass Frauendiskriminierung nicht weniger sondern mehr wird.

Nun, erklärlich ist das alles nicht, denn wir tun ja viel, um Frauendiskriminierung zu beenden – aber sie will, folgt man der Ideologie des Frauenministeriums, nicht kleiner werden. Das schien mir unlogisch und so kam ich auf den Gedanken, vielleicht wollen Politiker gar nicht, dass Probleme gelöst werden!

Unter diesem Blickwinkel habe ich das Problem betrachtet, dass unsere Senioren nicht mit allzu vielen gesunden Lebensjahren  rechnen dürfen, wenigstens nicht mit so vielen, wie eben in jenen Ländern, die gleich viel für Pensionen und Gesundheit ausgeben wie wir.

 Die gesunden Lebensjahre in ÖSterreich liegen weit hinter denen, anderer Länder

Ausgaben für die Gesundheitsversorgung in Europa seit 1970

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Abo-Literaturservice: Mortalität und Frühpension

Eine Studie, die bereits zwei Jahre alt ist, aber erst jetzt den Weg in die österreichische Öffentlichkeit http://derstandard.at/1332323848616/Vorzeitiger-Berufsaustritt-Lebenserwartung-ist-bei-Fruehpensionisten-geringer fand, belegt, dass Männer, wenn sie, aus welchen Gründen immer, frühzeitig in Pension gehen, früher sterben; jedes Jahr verkürzt statistisch betrachtet das Leben um fast zwei Monate. Frühpension mach also sterbenskrank! (Diese Statistik ist sehr gut bereinigt. Krankheit zum Zeitpunkt des Antritts in der Pension verzerrt die Statistik nicht relevant)

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